Entstehung der "Labor Educacional" und der Stiftung

Von einigen deutschen Stiftungsmitgliedern und befreundeten Deutsch-Brasilianern wurde in den achtziger Jahren ein Kinderdorf in São  Paulo gegründet. Damals merkte man bald, dass die Straßenkinder in dieser Großstadt neben Nahrung, Kleidung und häuslicher Geborgenheit fast noch mehr eine geordnete Schulbildung brauchten, an der es aber schon damals ganz allgemein mangelte. Daher wurde im Kinderdorf eine eigene Grundschule errichtet, die bald von der ganzen Umgegend frequentiert wurde. Mit Hilfe einiger Anderer wurden im Laufe der Jahre spezielle Unterrichtsverfahren entwickelt, um bei den vielfach unkonzentrierten, abgelenkten und von den Eltern nur ungenügend erzogenen Kindern vor allem Interesse am Unterricht zu wecken und dadurch erstaunliche Lernerfolge zu erzielen. Als einiger der deutschen Stiftungsmitglieder Anfang der neunziger Jahre nach Deutschland zurück gingen, wurde das Kinderdorf der SOS-Kinderdorf-Organisation überlassen. Diese betreibt es  heute zusammen mit mehreren weiteren Kinderdörfern in Brasilien erfolgreich weiter. Allerdings wollte SOS-Kinderdorf aus grundsätzlichen Erwägungen die angehängte Schule nicht fortführen. Das brachte uns nach sorgfältiger Überlegung auf den Gedanken, die in dieser Schule entwickelten Unterrichts-Konzepte und –Verfahren in eine eigene Organisation einzubringen, die "Labor Educacional" (LABOR).

Die LABOR wird ehrenamtlich geleitet und verfügt über ein kleines Büro in São Paulo, in dem eine seit Jahren eingearbeitete Sekretärin und ein junger, selbst ausgebildeter Internet- und Kommunikationsfachmann arbeiten. Die eigentliche Fortbildungsarbeit wird dagegen von einem Stab frei beruflicher Lehrerinnen und Lehrer geleistet, die über das notwendige Know-How verfügen und dies laufend weiter entwickeln. Die Kosten dafür werden einschließlich eines gewissen Gemeinkostenaufwands durch die Fortbildungsprojekte gedeckt, welche meist eine oder mehrere Schulen eines Bezirks umfassen und durch Sponsoren bezahlt werden. Diese Organisationsform bedeutet bei sehr geringen Gemeinkosten eine Gesamtkostendeckung, solange stets genügend Sponsoren bereit stehen. Die Suche nach Sponsoren ist daher eine der Hauptaufgaben aller in Brasilien und Deutschland freiberuflich in dieser Organisation mitwirkenden Personen. Aber auch in Zeiten wie gegenwärtig, in denen in Brasilien wegen der Wirtschaftskrise kaum Unternehmen als Sponsoren zur Verfügung stehen, kann die kleine Organisation wegen der sehr geringen fixen Kosten aufrecht erhalten werden.

Die Stiftungsgründer

Eckard und Karin Essle, Claudio Sonder

Eckard war als Geschäftsführer für Fichtel & Sachs und Mannesmann 25 Jahre in Sao Paulo tätig. Karin hat ihm bei allen gesellschaftlichen Ereignissen unterstützt und sich um die Familie, Freunde und das Umfeld gekümmert. Sie haben viel Schönes erlebt, aber immer auch die Armut und Not vieler Menschen in Brasilien gesehen. Zusammen mit den Ehepaaren, Mangels, Stickel,  und von Heydebreck  haben sie ein SOS-Kinderdorf in Sao Paulo aufgebaut mit komplett privater Finanzierung. Für die dorfeigene Schule wurde von speziell dafür kontraktierten Pädagogen ein Konzept entwickelt, das zu erstaunlichen Lernerfolgen führte. Bald war die Schule  in der Gegend sehr begehrt und  auch offiziell anerkannt. Um das gesammelte Know How auch öffentlichen Schulen zu vermitteln wurde LABOR-EDUCACIONAL gegründet. Diese Initiative  ist heute landesweit aktiv und ergänzt die staatliche Bildung durch praktische und didaktische Elemente bei der Lehrerfortbildung. Die LABOR-Fortbildung wird für Lehrer kostenlos angeboten. Nach ihrer Rückkehr 1992 nach Deutschland  gründeten Essles zusammen mit Claudio Sonder, seinerzeit Vorstand der Höchst AG in Frankfurt, 1994 die Stiftung LABOR mit Sitz in Bernau a. Chiemsee um von hier aus weiterhin LABOR EDUCACIONAL in Brasilien zu unterstützen.  Zur Regelung der Nachfolge und Weiterführung der Stiftung,  haben sie  7 aktive und engagierte jüngere Menschen gefunden, die ihr Anliegen und ihre Liebe zu Brasilien teilen. Damit ruht nun die Verantwortung auf einem viel größeren Kreis an Unterstützern, die die Möglichkeiten haben diese Idee und die aktive Förderung  weiter zu führen.

Jovem Guarda - Die "jungen Hüter" der Stiftung

Die Gründerinnen und Gründer  der Stiftung Labor sammeln seit über 20 Jahren Spendengelder in Deutschland, um den Fortbestand der LABOR in Brasilien zu unterstützen. Altersbedingt haben einige der Gründer ihre Tätigkeiten in die Hände der nächsten Generation gelegt, die sich deswegen selbst "Jovem Guarda" nennt, was so viel heisst wie "junge Hüter". Einige Vertreter dieser "Jovem Guarda" lassen wir hier zur Wort kommen:

Stimmen der Stiftungsmitglieder

Karin Essle

Als ich nach dem Krieg als kleines Mädchen in Brasilien ankam wurde ich mit viel Zuwendung und Hilfsbereitschaft  empfangen. Überall wurde mir geholfen. Ich fühlte mich gleich zu Hause.  Als später meine Kinder zur Ausbildung nach Deutschland gegangen waren, wollte ich Straßenkindern  helfen, einen Weg zu Erziehung und Bildung zu finden. Das SOS Kinderdorf Rio Bonito war die  Lösung. Diese Kinder fanden zwar ein sicheres Heim, aber nur Schulen mit schlecht ausgebildeten Lehrern und blieben sitzen. Die Kinder würden so keinen Beruf erlernen und folglich nie ein bürgerliches Leben führen können. Daher ist meine  Motivation,  Lehrern zu helfen, einen besseren Unterricht geben zu können. Gute Mütter und gute Lehrer!

Eckhard Essle

Während meiner fast 25-jährigen beruflichen Tätigkeit in Sao Paulo habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Verbesserung der Schulbildung der breiten Bevölkerungsschicht der effektivste Weg ist, dem ansonsten reichen Land seinen ihm gebührenden Platz unter den Volkswirtschaften auf der Welt zu sichern. Ich halte das LABOR-Konzept für absolut zielführend und kostengünstig und setze mich deshalb nach Kräften dafür ein.

Tina Mnich geb. Essle

Die vergangenen Generationen haben sich enorm eingesetzt um Techniken zu entwickeln, um das Leben der Menschen auf diesem Planeten einfacher  zu machen. Wissen und Werte sind die Grundlage dafür. Hier in Europa macht dies uns das Leben sehr bequem.

Labor bietet den vielen Kindern in Brasilien, eine Chance das enorme Potentiall diese Landes auszunutzen damit unser Planet auch in Zukunft lebenswert bleibt.

Meine Familie ist seit 5 Generationen mit Brasilien verbunden und in jeder Generation gab es Menschen die sich für andere Menschen eingesetzt hat. Es ist sozusagen Familen-Tradition.

Ute Meier

Meine Kindheit und Jugendzeit habe ich in Brasilien verbracht; sie war sorgenlos und frei. Dieses Privileg haben viele Millionen Kinder nicht. Etwas dazu beizutragen, damit sich daran was ändern kann, ist meine Motivation. Das Konzept von LABOR schafft Lust auf Bildung. Die Kindern bekommen die Chance, von sich aus lernen zu wollen. Vielleicht können sie in dieser Zeit der Wissensaufnahme sorgenfreier sein und sich neue Optionen für ihre Zukunft aufbauen. Das ist mein Wunsch, denn Bildung schafft Zukunft.

Bianca Specht-Moser

Ich wollte schon immer etwas sinnvolles für Brasilien tun, da ich dort geboren und aufgewachsen bin und mit den Gegensätzen Arm vs. Reich mein ganzes Leben konfrontiert wurde.

Das wichtigste Instrument gegen Armut war und ist die Bildung!

Die LABOR ist eine NGO, die sich für die Verbesserung des Bildungsniveaus der Lehrer in Brasilien einsetzt. Dadurch erfüllt die LABOR die Funktion eines sehr wichtigen Multiplikators, denn je besser der Lehrer/die Lehrerin ist, desto besser sind seine/ihre Schüler/-innen und je besser Lehrer/-innen ausgebildet werden, desto kompetenter werden Schüler/-innen gegen Armut bewaffnet!

Harald Rönn

"Bildung ist der Pass für die Zukunft, denn das Morgen gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten!“

Malcolm X